„The world of cyberpunk was meant as a warning, not as an instruction manual.“
Palantir hat auf X ein 22-Punkte-Manifest veröffentlicht. Titel: „The Technological Republic“.
Kein Produktlaunch. Kein Whitepaper. Ein politisches Programm. Darin formuliert ein privates Technologieunternehmen einen Führungsanspruch, der tief in die Grundlagen unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft eingreift.
Was in dem Post steht
22 Punkte. Mehrfach fordert das Manifest, dass Silicon Valley eine aktive Rolle in Verteidigung, nationaler Sicherheit und politischer Ordnung übernimmt.
Drei Beispiele:
- Punkt 5: „The question is not whether A.I. weapons will be built; it is who will build them and for what purpose.“
- Punkt 12: „The atomic age is ending … a new era of deterrence built on A.I. is set to begin.“
- Punkt 17: „Silicon Valley must play a role in addressing violent crime.“
Man kann das als Realismus lesen. Ich lese darin einen Anspruch: Wer die Technologie kontrolliert, will auch die politische Richtung bestimmen.
Von Innovation zu Machtanspruch
Mich stört nicht, dass Unternehmen groß denken. Innovation ist notwendig. Aber sobald Infrastrukturmacht in politische Definitionsmacht kippt, reicht „trust us“ nicht mehr.
Wenn private Akteure mitentscheiden, welche Sicherheitslogik gilt, welche Risiken priorisiert werden und welche gesellschaftlichen Kosten akzeptabel sind – dann geht es nicht mehr um Produktentwicklung. Dann geht es um Macht. Und Macht ohne demokratische Kontrolle ist ein Risiko.
Cyberpunk war eine Warnung
Nicht weil wir morgen in einer Neon-Dystopie leben. Sondern weil die Machtlogik bekannt ist: Öffentliche Institutionen verlieren Gestaltungskraft, private Systeme gewinnen sie.
Cyberpunk war als Warnung gedacht. Nicht als Bauanleitung.
Was das für Europa bedeutet
Wer technologisch abhängig ist, verliert politische Handlungsfähigkeit. Es fehlt nicht am Können. Es fehlt am politischen Willen:
- eigene Plattformen aufbauen,
- kritische Infrastruktur souverän betreiben,
- industrielle und digitale Wertschöpfung zusammendenken,
- kurzfristigen Komfort gegen langfristige Unabhängigkeit tauschen.
Wer einen konkreten Anfang sucht: Der „Digital Independence Day“ wurde auf dem letzten 39C3 vorgestellt. Jeden ersten Sonntag im Monat einen Dienst wechseln, eine Abhängigkeit weniger.
Warum ich das so klar schreibe
Wir sind zu bequem geworden. Wir reden über Souveränität und geopolitische Risiken, handeln aber so, als hätten wir noch unendlich Zeit. Bequemlichkeit ist keine Neutralität. In diesem Kontext ist sie eine Entscheidung – für spätere Abhängigkeit.
Die Frage ist nicht, ob Europa eine souveräne technologische Position aufbauen kann. Die Frage ist: Wie lange wollen wir uns noch leisten, es nicht zu tun?