Warum Schreiben noch immer wichtig ist – und immer wichtiger wird

Warum Schreiben noch immer wichtig ist – und immer wichtiger wird

Das lasse ich mir kurz von einem LLM generieren.

Diesen Satz höre ich mittlerweile täglich. Und ich verstehe ihn – ich nutze selbst AI, lasse mir Code generieren, betreibe eine eigene OpenClaw-Node, lasse mir Bilder generieren. Das ist nicht das Problem. Das Problem ist, was dabei verloren geht.


Schreiben ist Denken – nicht nur Dokumentieren

Wer einen Text verfasst, muss Entscheidungen treffen:

  • Welche Reihenfolge ist logisch?
  • Wo fehlen mir noch Quellen, wo ist mein Argument dünn?
  • Was ist die eigentliche Aussage – und was lasse ich weg?
  • Was möchte ich zwischen den Zeilen mitgeben?

Diese Auseinandersetzung zwingt zur Tiefe. Die Wissenschaft belegt das: Mueller und Oppenheimer (Princeton/UCLA) zeigten, dass handschriftlich Mitschreibende bei konzeptionellen Fragen signifikant besser abschnitten – weil sie selektieren und paraphrasieren mussten. Scientific American | PMC


Was in der Softwareentwicklung gerade passiert

Architektur, Spec, Threat Model, Use Cases, Code, Tests, Deployment – alles generiert. Menschenlesbare Dokumentation wird erstellt, weil es Vorschrift ist, nicht weil jemand sie durchdenkt.

Doshi und Hauser zeigten 2024 in Science Advances: KI-gestützte Kreativarbeit wird individuell besser bewertet, führt kollektiv aber zu signifikant ähnlicheren Ergebnissen. PMC | arxiv

Innovation entsteht aus Reibung, aus dem Unbequemen, aus der Auseinandersetzung mit einem Problem, das sich nicht sofort löst. Diese Reibung wird weggeneriert.

Philipp Haußleiter

Ich bin 45 Jahre alt und arbeite seit etwa 17 Jahren als IT-Berater und Software Engineer. Meine Karriere begann mit vielfältigen Projekten – von iOS-Entwicklung über Microsoft BI Tooling bis hin zum Aufbau größerer Hadoop-Cluster. Heute liegt mein Schwerpunkt auf Software-Architektur, Systemdesign und der Entwicklung robuster, nachhaltiger IT-Lösungen. Dabei verfolge ich konsequent einen First-Principles-Ansatz: Ich hinterfrage bestehende Annahmen und bilde mir durch eigenes Ausprobieren eine fundierte, kritische Meinung zu neuen Technologien – auch zu KI –, um echten Mehrwert von Hype zu unterscheiden. Seit 2003 betreibe ich eigene Server, um einen Ausgleich zum Beratungsgeschäft zu finden und praktische Erfahrungen zu sammeln.

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